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Magenprobleme führen zu Darmproblemen

Magenprobleme entwickeln leider viele Pferde im Laufe ihres Lebens. Selbst Fohlen sind in hohem Maße betroffen, leider auch eine dramatisch wachsende Zahl von Freizeitpferden, die in Offenställen leben. Warum ist das so? Die Hauptursachen für Magenprobleme sind falsche Fütterung und Stress. Auch einige Medikamente wie z.B. Schmerzmittel und Entzündungshemmer lassen die Magensäureproduktion deutlich ansteigen. Im Falle einer falschen Fütterung ist fast immer die zu geringe Raufuttermenge oder eine ausufernde Kraftfuttermenge die Ursache. In den letzten Jahren ist die Heuerntemenge aufgrund zunehmender Trockenheit deutlich zurückgegangen. Raufutter ist teuer, so dass Pferdebesitzer und Pensionsstallbesitzer sparen. Heumengen von 1-1,2 kg pro 100 kg Lebendgewicht sind die Regel und werden als ausreichend deklariert. Das ist leider keinesfalls ausreichend! Auch unsere Hauspferde, egal welche Rasse oder wie edel, sind in Bezug auf Ernährungsanspruch sowie Bewegungsbedarf reine Ur- Tiere.  Pferde sind auch heute noch reine Magergrasdauerfresser, die daher auch ständig Magensäure zum Verdauen produzieren. Diese wird dann durch den, nur beim Kauen produzierten, Speichel abgepuffert, also entschärft in ihrer Wirkung. Ideal und artgerecht wäre es, dem Pferd Heu / Heulage zur freien Verfügung zu füttern. Dann kann ein Pferd seine Fresszeiten und die Dauer frei wählen. Wenn Pferde unter einer solchen Heufütterung zu dick werden, liegt dies niemals an einem Zuviel des Raufutters, sondern immer und ausschließlich an einem deutlich zu geringen Bewegungs- bzw. Arbeitspensum des Pferdes. Kein Pferd wäre unter einer Rund-um-die-Uhr-Heufütterung dick, wenn es täglich mind. 1 h arbeiten dürfte. Leider erhalten die meisten Pferde zu unregelmäßig Heu und in der Regel viel zu wenig. Vereinfacht kann man sagen, ein Großpferd frisst ca. 1 kg Heu pro Stunde. Da hat man anhand der Fresszeiten einen guten Richtwert hinsichtlich der aufgenommenen Menge. Wenn ein Pferd dauerhaft weniger Raufutter erhält als die erwähnten mind. 2 kg pro 100 kg Lebendgewicht und Tag, können Magenprobleme/Magengeschwüre auftreten. Auch wenn Fresspausen wiederkehrend länger sind als max. 2 – 2,5 h, wenn z.B. auf Winterpaddocks tagsüber kein Raufutter zur Verfügung steht, ist es möglich, dass das Pferd krank wird. Die Magensäure wird kontinuierlich weiter gebildet, so dass sich in den Fresspausen der Magen beginnt, selbst zu verdauen und die Schleimhaut dadurch angegriffen werden kann.
Hat ein Pferd Magenprobleme,
sind Darmprobleme vorprogrammiert!
Auch ein ständiges Zuviel an Getreidestärke und Zuckerzusätzen im Kraftfutter lässt die Säureproduktion im Magen deutlich ansteigen. Die Pufferung durch den beim Kauen produzierten Speichel kann dann nicht mehr ausreichen. Ein Pferd produziert beim Fressen von Kraftfutter ca. 10 Mal weniger Speichel als beim Fressen von strukturreichem Raufutter.
Stress ist ebenfalls einer der Hauptauslöser für Magenprobleme.
Stress hat leider viele Gesichter und wird sehr individuell von unseren Tieren wahrgenommen. Turniere oder Rennen sind oft hochgradig stressig für Pferde.
Vielen Turnierreitern ist auch nicht bewusst, dass Pferde Stress und aufgestautes Adrenalin ausschließlich über Bewegung abbauen. Es sollte ganz normal sein, dass ein Sportpferd nach einem Turniertag zuhause 1 h Koppelgang bekommt, um diesem Bedürfnis nachkommen zu können. Das geschieht leider selten.
Aber nicht nur unsere Sportpferde sind Stress ausgesetzt. Es kann auch einfach der Boxennachbar sein, der als bedrängend empfunden wird. Ein Pferd kann in einer Box nicht ausweichen, es muss die Nachbarn ertragen. Pferde haben, auch in einer als tierschutzgerecht bezeichneten Box wenig Platz. Pferde sind reine Lauftiere, die sich in freier Wildbahn viele Stunden futtersuchend und spielend fortbewegen. Wussten Sie das?
Überwiegende Boxenhaltung verursacht daher immer Stress. Daran ändert auch die Stunde Führmaschine am Tag nichts und 30 min reiten sowie 10 qm Paddock.
Leider sind aber auch viele Pferde, die in diversen Offenställen untergebracht sind, von massivem Stress geplagt. Oft reicht der Platz nicht für alle Pferde, um einander gut aus dem Weg gehen zu können, oder die Zahl der Fressplätze an der Raufe reicht nicht aus. Rangniedere Pferde erleben Stress, aber auch ranghohe Tiere, die nie zur Ruhe finden, da die Herde permanent bewacht werden muss. Auch ein häufiger Wechsel in der Gruppe ist für alle stressig.
Manchmal haben Pferde auch unerkannt ständig Schmerzen, die zu Dauerstress führen können.
Pferdehalter beschlagen viele Freizeitpferde nicht, da das als artgerecht empfunden wird, oder es in den Offenställen nicht erlaubt ist, Eisen aufzunageln.
Sehr viele Pferde haben aber eine schlechte Hornqualität, da helfen auch Hufschuhe nur bedingt. Sehr viele Pferde gehen dauerhaft fühlig, auch das macht Stress.
Alte Pferde werden oft aus Kostengründen in Offenställe gestellt, nachdem sie viele Jahre in der klassischen Boxenhaltung verbracht haben. Diese Umstellung muss nicht immer gelingen.
Es gibt also viele Arten von Stress, die ein Pferd erleben kann. Meist sind es die besonders coolen Vertreter, die die schlimmsten Probleme haben. Introvertierte Pferde zeigen ihr Problem erst sehr spät an, Sie fressen Ihre Probleme buchstäblich in sich hinein. Hier ist der Pferdebesitzer gefragt, immer wieder in seinen Freund hineinzuhorchen und sich die tatsächlichen Bedürfnisse dieses Ur-Tieres immer wieder vor Augen zu führen und mit der eigenen Haltung in Einklang zu bringen.
Wenn nun aber ein Magenproblem entstanden ist, das Pferd also deutliche Symptome zeigt, wie Leerkauen, häufiges Gähnen, übermäßiges Lecken, Schmerzen beim Gurten oder Putzen, Widerstände beim Reiten, sowie evtl. wiederkehrende Krampf-oder Gaskoliken, dann ist immer erstmal der Tierarzt der Ansprechpartner Nr. 1.
Dieser wird mit oder ohne Gastroskopie das Problem finden und mit sog. Protonen-pumpeninhibitoren wie Omeprazol und anderen behandeln.
Meist ist eine längerfristige ( mehrmonatige ) Behandlung des Magens mit entsprechenden Produkten nötig. Achten Sie unbedingt darauf, dass diese Produkte keine Basensalze zum Puffern der Magensäure enthalten. Längerfristigere Anwendungen ( länger als ca. 4 Wochen ) können die Eigenproduktion an Magensäure dauerhaft erhöhen. Hierdurch kann, nach Absetzen dieser Produkte, permanent eine zu hohe Säureproduktion entstehen. Ein dauerhaft steigender Einsatz dieser Mittel kann dann die Folge sein.
Ideal für diesen Einsatzzweck ist das Produkt HBD’s® DigestoPhlog, dass entzündete Schleimhäute im Magen und Darm durch einen hohen Omega3-Fettsäureanteil beruhigen kann. Weiter enthält es Substanzen (Pektine und Isländisch Moos), die die Schutzschichten auf Magen- und Darmschleimhäuten bilden können.
Wesentlich ist natürlich auch eine Haltungs- und Fütterungsänderung.
Mehr freie Bewegung ganzjährig, evtl. ein anderer Turnierkalender, ständig Heu zur freien Verfügung und Überprüfung der Boxennachbarn. Eventuell kann es sinnvoll sein, die seitlichen Boxenwände mit Sichtschutz zu versehen.
Auch macht es Sinn ein Kraftfutter ohne Getreide, ohne jegliche Zuckerzusätze und ohne Synthetika zu füttern. Ideal wäre hier HBD’s® Vitalo oder noch besser HBD’s® EquiDietic, ein Nassfutter, das haferschleimähnliche Eigenschaften besitzt.
Was leider viele Tierärzte und alle Pferdehalter aus den Augen verlieren, ist die Tatsache, dass die überschüssige Magensäure ihre Wirkung nicht nur an den Magenschleimhäuten entwickelt, sondern leider auch im Dickdarm Probleme verursachen kann.
Ein Darmproblem ist, nach vorangegangenen Magenproblemen, die Regel und nicht die Ausnahme!
Die überschüssige Magensäure gelangt weiter nach hinten in den Verdauungstrakt. Erst in den (stark basischen) Dünndarm und dann in den Dickdarm. Im Dünndarm geschieht in der Regel nicht viel, außer dass am Übergang vom Magen in den Dünndarm auch häufig Geschwüre auftreten können, die oft auch schwer zu behandeln sind.
Problematischer kann die Wirkung der Magensäure im Dickdarm sein. Dort ist die große Gärkammer des Pferdes. Dort findet die Aufspaltung von schwer verdaulichem Futter, z.B. Cellulose und Rohfaser aus dem Raufutter durch mikrobielle Fermentation statt. Der Dickdarm beheimatet das gesunde Darmmikrobiom. Viele Billionen unterschiedlichste Bakterien, die vielfältige Aufgaben im Körper haben, z.B. bilden diese die Immunzentrale des Körpers. Rund 80 % aller Immunzellen sitzen im Dickdarm auf den Dickdarmschleimhäuten.
Das Dickdarmmikrobiom ernährt sich hauptsächlich von Rohfaser, was wiederum erklärt, warum Pferde die raufutterarm ernährt werden, oft Darmprobleme haben.
Ein Großpferd, das raufutterreich ernährt wird, enthält im Dickdarm ca. 32 Billionen Keime. Ein Großpferd, das raufutterarm ernährt wird, hat nur ca. 26 Milliarden gesunde Darmkeime, was letztlich bedeutet, dass die Immunabwehr geschwächt ist und sich sehr leicht Schadkeimen ansiedeln können, da die Platzhalter dezimiert sind.
Das Milieu im Dickdarm ist normalerweise neutral, also pH- Wert 7.
Wenn aber über einen längeren Zeitraum zu viel Magensäure im Dickdarm landet, die über basischen Speichel und Heu nicht ausreichend neutralisiert wird, sinkt der pH- Wert im Dickdarm.
Es wird also sauer. Die gesunden Darmkeime, das gesunde Darmmikrobiom, braucht aber ein neutrales Milieu, um wachsen und gedeihen zu können und sich vor allem auch ausreichend vermehren zu können. Das kann es nicht, wenn der Dickdarm sauer wird. Dann kann das Dickdarmmikrobiom verarmen, und es kann zur Ansiedlung von Schadkeimen, Pilzen oder Bakterien, kommen, die die Verdauung auf vielfältige Weise stören.
Eine Dysbiose entsteht. Eine Fehlbesiedelung im Dickdarm.
Leider ist eine solche Dysbiose in den wenigsten Fällen aus eigener Kraft reversibel, wenn man den Darm nicht unterstützt, evtl. auch eine Darmsanierung macht.
Oft entstehen wenige Monate nach dem ausgeheilten Magenproblem plötzlich Hautprobleme wie z. B.Mauke, allergische Probleme, chron. Leberprobleme, Kotwasser, erhöhte Neigung für Gas- oderKrampfkoliken, etc.
Auch wenn augenscheinlich nach dem Magenproblem kein offensichtliches Darmproblem spürbar ist, macht es Sinn, prophylaktisch den Darm zu pflegen. Ideal und seit Jahren bewährt hat sich hier HBD’s® DigestoVit®.
Bei offensichtlichen und anhaltenden Problemen sollten Sie sich kompetent und unabhängig beraten lassen, um eine Vorgehensweise festzulegen, die sowohl die Haltung, die Fütterung und natürlich die Pflege des Magens und Darmes beinhaltet. Eine Kotprobe in einem ausgewählten Labor ist in jedem Fall sinnvoll. Auch hier suchen Sie bitte Rat, um ein passendes Labor zu finden. In den meisten Laboren wird nur ein eingeschränktes Spektrum an Keimen untersucht, welches oft nicht ausreichend ist, um das Problem ganz abzubilden.
Falls weiterer Beratungsbedarf besteht, kontaktieren Sie mich gerne unter
Telefon +49 (1)52 / 289 57 147 oder anjabeifuss@hbd-agrar.de
Ihre Anja Beifuss Stand: 2019
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