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Mageres Pferd

Mageres Pferd was tun?
Viel versucht ohne großen Erfolg.

Mit dem Phänomen „mageres Pferd“ sieht sich sicherlich jeder Pferdebesitzer irgendwann einmal während eines Pferdelebens konfrontiert.

Das erste Gespräch sollte immer mit dem Haus-Tierarzt geführt werden, um auszuschließen, dass eine Erkrankung, z. B. Magenprobleme, dahinter steckt. Wenn dies verneint werden kann, muss man sich klarmachen, warum das Pferd abgenommen hat.

Es gibt verschiedene Ursachen, denen keine Krankheit zugrunde liegt:

  • 1) Alter des Pferdes: Mit steigendem Alter ver­stoffwechselt der Organismus des Pferdes das angebotene Futter allmählich ineffizienter. Der Stoffwechsel wird langsamer mit steigendem Alter. Die bisherige Futtermenge und Art reicht oft nicht mehr aus, um den Bedarf zu decken, da weniger davon in den Körper aufgenommen wird.
    Es gibt kein pauschales Alter, ab dem dieses Phänomen auftritt, aber ganz allgemein kann man sagen, dass hoch im Blut stehende Pferde davon meist erheblich früher, Naturrassen, wie z. B. der Isländer, Haflinger, Norweger, Spanier oder auch der Friese dagegen deutlich später betroffen sind.
  • 2) Eine Fütterung, die der tatsächlichen (hohen) Leistung/dem (hohen) Bedarf des Pferdes weder in Menge noch Art des Futters angepasst ist. Es wird schlicht zu wenig gefüttert.
  • 3) Zu geringe Raufuttermengen sind häufig die Ursache für ein mageres Pferd. Das Pferd benötigt mindestens 2 kg Heu je 100 kg Körpergewicht, gerne bei normalgewichtigen Pferden auch etwas mehr. Heu zu rationieren, macht bei Pferden mit Idealgewicht überhaupt keinen Sinn. Am besten hat der Rohfaserfresser Pferd ständig Heu-/Raufutter zur Verfügung.
    Bei übergewichtigen Pferden sollten die Heumengen/Raufuttermengen nicht unter 1,5 kg je 100 kg Körpergewicht sinken, sonst kann ein Magenproblem provoziert werden. Es ist immer besser, diese Pferde mehr und vor allem regelmäßig zu bewegen, anstatt das Raufutter weiter einzuschränken.
    Wenn Raufutter eingeschränkt wird, werden Magenprobleme gefördert. Außerdem muss dann durch mehr Kraftfutter versucht werden, die Lücke in der Versorgung zu schließen.
    Was nie gelingen wird!!!
    Alles, was im Bereich Raufutter an Qualität und/oder Menge eingespart wird, kann nicht durch ein Mehr an Kraftfutter ausgeglichen werden, da das Pferd genetisch ein reiner Rohfaserfresser und kein Getreide- und/oder Zuckerfresser ist.
    Immer wenn man versucht, gegen die Genetik zu handeln, wird das keinesfalls erfolgreich sein. Das Pferd wird bei zu geringen Heumengen mager sein, unzufrieden und eine übersäuerte Muskulatur haben, darüber hinaus Magen­probleme und in der Folge oft dann auch Darmprobleme entwickeln.
    Außerdem ist es immer teurer, mehr Kraftfutter statt mehr Heu zu füttern und gesundheitlich immer bedenklich!
  • 4) Fehlende Mineralstoffgaben:
    In der Natur gilt das sog. Gesetz des Minimums, d.h. die Entwicklung eines Organismus hängt von der Versorgung mit essentiellen Nährstoffen ab, diese müssen von außen aufgenommen werden, sie können nicht vom Organismus selbst produziert werden.
    Fehlt auch nur ein essentieller Nährstoff im Speiseplan, wird sich die Entwicklung des gesamten Organismus nach diesem Mangel ausrichten. Dieser eine Mangel bestimmt die Gesamtentwicklung des Körpers.
    Da wir flächendeckend mittlerweile massive (Spuren-) Nährstoffdefizite in den Böden und damit auch in den darauf wachsenden Futter- (und Lebensmittel-)Pflanzen haben, kann das Pferd seinen Bedarf an Mineralien und Spurennährstoffen sowohl qualitativ als auch quanti­tativ schon lange nicht mehr nur über das Heu und Getreide abdecken. Mineralisierte Kraft­futter sind hier auch keine Hilfe, da die verwendeten Inhaltsstoffe in der Regel nicht oder kaum vom Körper aufgenommen werden können. Sie sind kaum bioverfügbar, gelangen also nicht ins Blut, um den Organismus zu versorgen.
    Wenn bestimmte Mineralstoffe im Speiseplan dauerhaft fehlen, kann dies auch dazu führen, dass das Pferd trotz ausreichender oder sogar großer Heu- und Kraftfuttermengen mager bleibt. Das Pferd frisst und frisst und bleibt dennoch dünn.
    Hier kann man über ein sehr gutes, rein organisch gebundenes Mineralfutter, z.B. HBD‘s® HorseMineral, schnell Abhilfe schaffen.
  • 5) Mager am Jahresanfang ist eine häufig auf­tretende Erscheinung, die fast alle Pferdehalter immer wieder erleben. Der Jahreswechsel kommt, und kurz danach, meist ab ca. Ende Januar bis Mitte Februar, beginnen die Pferde allmählich abzunehmen. Meist wird versucht, einfach mehr zu füttern, sowohl vom Raufutter als auch bei verschiedenen Kraftfutterarten.
    Oft hilft das aber nicht. Warum ist das so?
    Im Regelfall wird nur 1. Schnitt an Pferde ver­füttert, entweder in Form von Heu oder Heulage, manchmal auch in Form von Heuersatzprodukten. Der 1. Schnitt wird normalerweise im Juni gemäht nach der Blüte. Jedes Raufutterprodukt unterliegt aber natürlicherweise einem deut­lichen Nährstoffabbau mit steigender Lager­dauer. Im Januar ist also das tägliche Futter bereits ca. 8 Monate gelagert und entsprechend abgemagert, sowohl was den Eiweißanteil als auch die übrigen Nährstoffe angeht. Das Pferd frisst große Mengen, und es bleibt nichts auf den Rippen. Das Raufutter ist in dieser Jahreszeit oft ein regelrechtes Leerfutter ohne nennenswerte Gehalte.
    Hinzu kommt der Beginn des Frühjahrsfellwechsels, hier steigt der tägliche Bedarf deutlich an.
    Oft wird auch, wenn das Wetter besser wird, wieder mehr geritten, Turnierpferde auch wieder voll trainiert. Das hebt den täglichen Bedarf weiter an. Die Lücke zwischen Angebot und Bedarf wird jeden Tag ein wenig größer werden, und das Pferd dünner.
    Mit ausufernden Kraftfuttergaben, bestehend aus Getreide oder getreidehaltigem Mischfutter, ist das Problem nicht zu lösen. Hier wird nur der Darm allmählich übersäuern, da große Kraftfuttermengen nicht adäquat verdaut werden können vom Rohfaserfresser Pferd. Stattdessen werden im Dickdarm durch die Über­säuerung steigende Giftmengen produziert, die vor allem die Leber belasten. Die Leber spielt aber nicht nur im Entgiftungsstoffwechsel sondern auch im Muskelstoffwechsel eine zentrale Rolle, sodass diese Pferde schnell abmuskeln und allmählich immer weniger werden trotz (oder gerade wegen) extremer Mengen getreidehaltiger Kraftfuttermischungen.
    Ein guter Weg wird sein, das Pferd zumindest ergänzend mit gehaltvollerem Raufutter zu versorgen, z.B. mit einer qualitativ höchstwertigen Heulage aus Kleinballen, die im Handel erhältlich sind. Heulage hat auch nach längerer Lagerdauer höhere Nährstoffgehalte als Heu.
    Außerdem empfiehlt es sich, getreidefreie und energiereiche (fettreiche) Kraftfutter zu füttern, z.B. HBD‘s® OryVital oder HBD‘s® Vitalo, um die Energielücke zu schließen. Auch kann man zusätzlich eine gehaltvolle Luzerne füttern (mindestens 13 % Eiweißgehalt), um die Eiweißlücke zu schließen, z.B. HBD‘s® StrukturVit.
    Da es sich um getreidefreie Kraftfutter handelt, besteht keinerlei Rehegefahr, auch bei größeren Fütterungsmengen. Alle diese Maßnahmen werden in den meisten Fällen zum Erfolg führen. Natürlich sollte man voraussetzen können, dass die Zähne des Pferdes einwandfrei sind, und das Pferd regelmäßig entwurmt wurde.
    Diese intensive Fütterungsphase wird bald vom Weidegang abgelöst werden können. Die meisten Pferde nehmen hier wieder deutlich an Gewicht zu, da das erste Gras im Frühjahr sehr gehaltvoll ist, vor allem an Eiweiß und Fruktan. Dann kann meist die Zufütterung der diversen Kraftfutter und der Heulage eingestellt werden.

Falls weiterer Beratungsbedarf besteht, kontaktieren Sie mich gerne unter
Tel +49 6222 31809 85 oder anjabeifuss@hbd-agrar.de

Ihre Anja Beifuss

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