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Kräuterfütterung: Wo endet ein sinnvoller Einsatz, und ab wann kann es bedenklich für Ihr Pferd werden?

Kräuter sind seit einigen Jahren in aller Munde und in fast allen Pferdefuttermitteln enthalten. Sie werden als Einzelkräuter oder als Mischungen für nahezu alle Einsatzzwecke angeboten. Von Gesundheitsunterstützung bei gesunden Pferden, bis zur Heilung von chronischen Erkrankungen, zur Entgiftung/Entschlackung und zur Aufwertung von artenarmem Raufutter.

Als pflanzliche Heilmittel haben Kräuter eine große Bedeutung und gute Wirkung, besonders bei Stoffwechselerkrankungen.
Jedoch wirken Kräuter nur dann in der beschriebenen Weise, wenn sie kurzzeitig eingesetzt werden, also maximal 4 Wochen. Danach sollte immer eine Pause von einigen Wochen bis Monaten eingehalten werden.
Denn ihre Wirkung basiert hauptsächlich auf den enthaltenen, natürlichen ätherischen Ölen. Diese reizen jedoch die Darmschleimhäute des Pferdes. Dort befinden sich ca. 80% aller Immunzellen des Körpers. Diese Immunzentrale wird durch die Reizung der Schleimhäute aktiviert und das Immunsystem dadurch angeregt. Auf diesem Weg können die Kräuter intensiv auf die Gesundheit einwirken.

Wenn ständig Kräuter verabreicht werden, ist eine permanente Reizung der Darmschleimhäute zu erwarten und damit ein dauerhaft überaktiviertes Immunsystem des Darmes.
Die Folge ist eine auf Dauer überreizte, hyperreagible Immunzentrale des Körpers. Dies kann unter Umständen zu einer Überreaktion des Immunsystems und somit zu einer erhöhten Allergiebereitschaft des Pferdes führen.
Außerdem ist zu erwarten, dass der Organismus sich an die Dauergaben adaptiert, und wenn situativ Kräuter zum Einsatz kommen sollten, z.B. weil das Pferd auf der Lunge verschleimt ist, kann die Wirkung dadurch eingeschränkt sein. Da Kräuter bei einigen Erkrankungen eine sehr gute Alternative oder Ergänzung zu synthetischen Arzneimitteln sind, sollte man sich diese Therapiemöglichkeit nicht durch Dauerverabreichung zunichte machen.
Vor diesem Hintergrund ist es bedenklich, dass es kaum noch Futtermittel ohne Kräuterzusätze gibt.

Für kurative Zwecke spielt die Qualität der Kräuter eine elementare Rolle.
Nur in der Apotheke erhält man Arzneikräuter, die unter den höchsten Qualitätsstandards, vorgegeben vom jeweils gültigen Arzneibuch, produziert werden.
Das hat natürlich seinen Preis. So sollte es zum Nachdenken anregen, wenn z.B. das Kilogramm Weissdornblüten in der Apotheke das drei- bis vierfache wie bei einem Futtermittelhersteller kostet.
Außerdem sollte man sich durch bestimmte Begrifflichkeiten nicht in die Irre führen zu lassen: die Bezeichnung Apothekenqualität auf einem Kräuterprodukt für Tiere ist (lt. Informationen der Landesapothekerkammer Baden-Württemberg) in Deutschland nicht geschützt.
Jeder Anbieter kann diese Kennzeichnung nutzen, auch ohne möglicherweise die gleiche hohe Qualität / Arzneibuchqualität wie eine Apotheke anzubieten.

Bei weiteren Fragen zu diesem Thema wenden Sie sich gerne direkt an mich.

Herzlichst, Ihre Anja Beifuss

P.S. Übrigens können Sie den Stoffwechsel Ihres Pferdes auch problemlos und sehr effektiv durch mehr Bewegung anregen, ganz ohne Kräuter und finanzielle Mittel…

 

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