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Ausweiden im Frühjahr

An- und Ausweiden im Frühjahr, muss das immer ein Problem sein?

Endlich, die Sonne scheint wieder, der Winter war sehr lang und viel zu dunkel. Die Pferde und die Reiter drängt es nach draußen. Die Pferde sind gierig nach dem frischen Gras.
Soll ich mein Pferd schon grasen lassen? Wie lange, zu welcher Tageszeit? Wann endgültig ausweiden, wie lange soll das Pferd dann täglich auf die Weide?
Diese Fragen treiben die Pferdebesitzer jedes Jahr neu um, jedes Jahr entstehen leider aber auch die gleichen Probleme.
Die Pferde sind aufgebläht, haben Bauchweh, manchmal Koliken, oder schlimmer noch, Hufrehe.Haut- und Lungenprobleme nehmen wieder zu.
Hierbei lasen sich viele Probleme weitgehend vermeiden, wenn das Anweiden richtig gemacht wird.
Einige grundlegende Betrachtungen vorneweg:
Grundsätzlich ist auch unser Hauspferd ein Urtier, das daher auch weitgehend Urbedüfnisse hinsichtlich Bewegung und Ernährung hat.
Der Mensch züchtet das Pferd aber erst seit nur rund 6000 Jahren, das Pferd lebt aber bereits seit 60 Millionen Jahren auf unserer Erde und ist der Evolution unterworfen.
Das Pferd ist daher ein reines Bewegungstier und ein reiner Rohfaserfresser (am besten nur zuckerarmes, variantenreiches Magergras).
Unsere Wiesen sind aber seitens der Gräserzusammensetzung eher für Kühe gedacht, diese haben ein großes Bedürfnis nach Zucker und Eiweiß und nur geringe Ansprüche an Vielfalt im Gras. Das Pferd nicht. Das Pferd verträgt Zucker im Gras (Fruktan) nur sehr schlecht in großen Mengen. Im Frühjahr haben wir aber aufgrund der starken Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht und der starken Sonneneinstrahlung bei gleichzeitig kalten Umgebungstemperaturen sehr viel Fruktan im Gras.
Ich würde mir bei „fetten“ Weiden generell überlegen, ob man die Anweidezeit nicht besser weiter in den Frühsommer verschiebt, also ca. Anfang Juni, wenn man stabilere Temperaturverhältnisse hat, so dass das Gras nur geringere Fruktanwerte aufweist. Die Gräserzusammensetzung kann der Pferdebesitzer in den seltensten Fällen beeinflussen, aber die Anweidezeit durchaus.
Es ist immer viel sicherer, die Pferde später als üblich anzugrasen und dann auszuweiden. Das gilt für alle Pferde, aber besonders für solche, die unter diversen Stoffwechselproblemen leiden, z.B. Lungenprobleme, Allergien, Ekzem, Darmprobleme wie Kotwasser, KPU.
Besonders stoffwechselkranke Pferde haben ein Problem mit den hohen Zuckerwerten im Gras, da diesen Erkrankungen letztlich als Ursache immer ein Darmproblem (eine Dysbiose, also eine Fehlbesiedelung des Darmes) zugrunde liegt. Die Keime, die die Fehlbesiedelung im Darm bilden, ernähren sich ausnahmslos von Zucker (und Getreidestärke), daher ist es immens wichtig, genau hier das Pferd in der Mengenaufnahme zu begrenzen. Auch wenn die Symptomatik der jeweiligen Erkrankung derzeit möglicherweise nur noch gering ausgeprägt ist. Durch zu viel Zucker wird es zwangsläufig immer zu einem erneuten Aufflammen der Probleme kommen.
Weiden Sie Ihre Pferde deutlich später aus, langsames Angrasen über 2-4 Wochen mit steigender Dauer und vor allem: begrenzen Sie die Weidezeit auf wenige Stunden. Es ist nicht gesund, unser Urtier Pferd 24 h auf eine „fette“ Weide zu stellen, da sind die Probleme vorprogrammiert.
Die Pferde sind außerdem nicht leistungsfähig, weil Sie durch das Gras enorm viel Wasser im Verdauungstrakt haben, weiterhin führt der viele Zucker im Gras zu einer Veränderung des
ph-Wertes im Dickdarm und damit zu einer Veränderung der Keimarten, die im Darm siedeln. Das führt mittel- bis langfristig immer in ein gesundheitliches Problem. Dieses ist immer zeitaufwendig, das Pferd ist mehr oder weniger ( chronisch ) krank, und es ist immer teuer, diese Störung wieder zu beheben.
Lassen Sie sich Zeit mit dem Anweiden. Gehen Sie viel ausreiten, da freut sich das Bewegungstier Pferd ebenso, und Sie leisten einen großen Beitrag für die Gesundheit des Lauftieres Pferd.

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